Kategorie-Archiv: Hundegeschichten

Brunos erste Welpenstunde

Der Samstag kam –die erste Welpenspielstunde. Wie idyllisch! Auf einer kleinen Obstbaumwiese waren kleine Geräte aufgebaut: Eine Wippe, eine Flatterbandstrecke, ein Bällebad, eine Planschmuschel, eine Strecke mit unterschiedlichen Untergründen und noch ein paar Geräte mehr.

Das Ganze mutete für mich eher an wie Zirkeltraining. Sollten die Hunde turnen?

Der Anfang für die wilde Hunderasselbande: TOBEN (oder auch Begrüßung). Mit knapp 9 Wochen war Bruno der Jüngste im Bunde und wurde von den älteren Hunden erst einmal genau unter die Lupe genommen. Das tat mir so manches Mal ganz schön weh, wenn da ein 15 Wochen alter Labrador über meinem Kleinen stand und ihn erst einmal auf den Rücken drehte. Gar zu wilde Tobereien oder auch echten Zoff gibt es hier nicht. Das wird sehr schnell von der Trainerin, Petra Lau, unterbunden. Schließlich sollen die Kleinen auch in der nächsten Woche noch gerne wieder kommen.

„Schluss mit toben – alle mal die Hunde ran rufen“, so lautete das erste Kommando auf das die Herrchens und Frauchens reagieren sollten. Wir Neuen machten da ein ziemliches Chaos draus, denn die einen benutzten eine Pfeife und die anderen „besprachen“ ihre Welpen permanent mit „hier“ „Bruuuuno“ „huhu“ „nun komm doch mal“.

Unglaublich wie gelassen man reagieren kann! Petra wartete bis wir uns sortiert hatten und stellte uns im Kreis aus. Bestens sollten die Hunde neben uns sitzen oder liegen. Die Leine am Boden und möglichst mit einem Fuß gesichert.

Puuuh – geschafft. Zappel-Bruno saß gesichert neben mir und so konnte ich den einführenden Erklärungen in die Hundeerziehung folgen. Dieser Gesprächskreis findet bei jeder Welpenstunde statt und bietet die Gelegenheit sich auszutauschen, Fragen zu stellen und aus den Problematiken der anderen Welpenbesitzer zu lernen.

Im Anschluss daran ging es an die Geräte. Bruno „turnte“ an den Geräten als hätte er nie etwas anderes gemacht. Nach der Geräterunde durften die Welpen sich dann wieder im Spiel etwas entspannen.

Nach dieser ersten Welpenspielstunde war nicht nur der Welpe erledigt, nein Frauchen und Hundchen hielten danach erst einmal Siesta und träumten von der nächsten Welpenstunde.

Bruno zieht ein

Wir zählten die Tage. Ganz klare Sache war: Dieser Hund sollte eine anständige Erziehung erhalten. Eine Welpenschule sollte es sein. Danach war der Hund dann erzogen und bereit auf die Menschheit losgelassen zu werden. (Wie herrlich naiv man doch am Anfang ist!)

Durch eine Bekannte erhielten wir den Tipp, dass wir uns doch bei Frau Lau zur Welpenstunde einfinden könnten, denn die würde ihre Welpenstunden wirklich nett gestalten und lernen könnte Hundchen da auch eine ganze Menge.

Also nahmen wir Kontakt auf. In einem langen Gespräch vereinbarten wir dann am Schluss, dass wir Bruno gleich am folgenden Samstag nach der Übernahme bei der Welpenstunde vorstellen sollten. Wie aufregend!

Der Tag der Abholung war gekommen. In voller Familienstärke ging es in Richtung Seevetal, mal eben Bruno abholen. Von wegen… mal eben! Bevor wir Bruno zu Gesicht bekamen, galt es erst einmal den ganzen Papierkrieg und die finanziellen Angelegenheiten zu klären.

Wir erhielten eine Art Gebrauchsanleitung für den Hund, eine Ahnentafel (von der sich später herausstellte, dass ich sie ebenso gut ins Altpapier hätte geben können), den Kaufvertrag und den Impfausweis. Nach ewig langen Erklärungen, Geld vorzählen und letztlich der Frage, ob wir denn vielleicht noch einen Kaffee möchten (NEIN!!!) ging es dann mit Halsband und Leine zum kleinen Racker in den Garten. Erwähnte ich schon wie blöd Bruno Halsband und Leine fand? Nach einem kleinen Ringkampf gaben wir auf und schnappten Klein-Bruno einfach unter den Arm. Ab ging die Fahrt in Richtung Heimat.

Bruno schlief ruhig auf dem Schoss unserer Tochter der Heimat entgegen. Auto fahren war für ihn von Anbeginn keine Schwierigkeit. Wenn das so weiterginge, dann sollte das ja ein pflegeleichtes Bürschchen sein.

 

Zuhause angekommen, erkundete Klein Bruno den Garten und das Haus. Das war so aufregend dass man fast auf der Türschwelle hätte einschlafen können.

Die erste Nacht im neuen zuhause sollte Bruno eigentlich im Erdgeschoss verbringen. Das brachte ich dann doch nicht übers Herz und er zog mitsamt seinem Kennel ins Schlafzimmer. So war ich allzeit bereit den Welpen zu schnappen und mit ihm nach unten in den Garten zu stürmen, damit er dort seine Geschäfte erledigen konnte.

Der Anfang war einfach. Bruno schlief schneller ein als ich, die sich gar nicht satt sehen konnte an dem kleinen Schokomäuschen. Um 3:30h herzzerreißendes weinen. Ach herrje! Der arme Kleine. Erst mal rausfalten aus dem Kennel und dann Vollgas nach unten. Bei so einem kleinen Fellbündel kann es ja jederzeit zu spät sein! Bruno lernte schnell. Fortan waren meine Nächte um 3:30h unterbrochen von einem Jammerton. Ab der dritten Nacht war ich bereits vor ihm wach – auch das begriff er schnell. Bruno beherrschte ab jetzt die Gabe mich „wach zu gucken“. Den Rest der Familie interessierten unsere nächtlichen Ausflüge übrigens herzlich wenig, denn Mutti rennt ja.