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Bruno braucht eine Aufgabe

Erkenntnis und Entschluss
Wo fängt man an?? Na am Besten am Anfang!Am Anfang stand die Erkenntnis: Bruno ist ganz sicher kein Sofa-Kuschel-Schmusehund. Bruno braucht was zu tun!
Bei den Welpenbesuchen hatten wir auch die künftige Besitzerin von Brunos Schwester Anna kennengelernt. Sie hat uns erzählt, dass sie mit ihrem Hund, auch ein Labbie, in der Rettungshundestaffel in Harburg aktiv ist und auch Anna solle recht bald ihre Ausbildung dort beginnen.
Wir erfuhren so Manches von der Rettungshundearbeit. Klar, wir hörten geduldig zu und wir bewunderten die beiden für ihr Engagement, aber wir sind (waren) normale Menschen, mit einer mehr oder weniger geregelten Arbeit, einem Haus (noch dazu mitten in der Sanierungsphase) und einem Teenager zuhause. Außerdem ohne jegliche medizinische Vorbildung – wie sollten wir da effektiv mitarbeiten können? Da musste es doch auch andere Beschäftigungsmöglichkeiten geben!
Wie sollte es denn wohl nach der Welpenspielgruppe weitergehen? Also diskutierten wir, machten uns im Internet schlau und stellten Fragen. Die größte Frage: Wären wir denn dem Zeitaufwand gewachsen der mit der RHS zusammenhängt? Sollte es vielleicht doch eine andere sinnvolle Beschäftigung sein? Jagdlich haben wir beide überhaupt keine Ambitionen – das schied komplett aus. Ich versuchte also eine RHS in unserer Nähe zu finden. Ja – Nähe – das Wort ist inzwischen sehr relativ geworden. Die Mineralölkonzerne verdienen sich an uns dumm und dusselig! Also in der Nähe – nix zu machen. Ich machte also einen Anlauf bei der RHS wo auch L. Anna ausbildete und wir vereinbarten an einem Training teilzunehmen. Die Flächensuche findet sonntags statt 4 Stunden im Wald! Dazu kommt Theorie und/oder Gerätetraining mittwochs abends nochmals 3 Stunden. Kaum zu schaffen dachten wir.Das Probetraining war beachtlich! ALLE gaben sich unglaubliche Mühe mit uns (wir waren zu dritt gefahren) Sie erklärten geduldig und stellten sich unseren anfangs wenigen Fragen. Auch Bruno wurde supernett aufgenommen. Die Gruppe, der wir zugeteilt waren, machte Kennenlernspielchen: Alle hocken im Kreis, jeder hat ein (haha) Leckerli in der Hand und er wurde Mal von diesem und mal von jenem gerufen. Bruno hatte keine Angst – er sauste von einem zum anderen, fraß ihnen die Taschen leer und knutschte sie in Grund und Boden.Er fand es herrlich und wir waren schwer begeistert. Seine Schwester Anna machte zu diesem Zeitpunkt schon Kurzanzeigen und war mit Feuereifer dabei die Opfer anzubellen.Wieder zuhause angekommen, beschlossen wir am nächsten Sonntag wieder dabei zu sein.Wir fuhren noch 3 Sonntage gemeinsam in den Wald und dann stand die Entscheidung an: wer macht die Ausbildung mit Bruno? Gatte oder ich? Mein Mann war sich überhaupt nicht sicher. Wie war das mit dem Arbeitgeber? War das zeitlich zu schaffen? Andererseits – die entstehende Bindung zum Hund tat ihm auch gut. Auf unserer letzten gemeinsamen Fahrt gen Flächensuche fiel die Entscheidung. Mein Mann verkündete, dass er mit Bruno die Ausbildung in der RHS machen wird.Ab dem nächsten Sonntag fuhren die beiden allein.

Was gehört dazu ein Rettungshund zu werden?
Nachdem der Entschluss feststand, dass Bruno zum Rettungshund ausgebildet werden soll, kam natürlich die bange Frage: Und was ist wenn er es nicht schafft? Die Antwort darauf gab es von vielen erfahrenen RHF. In der Regel ist es nicht der Hund der die Ausbildung abbricht, sondern der Mensch.

In der Zeitfolge sind wir jetzt mitten im Oktober 2005. Jeden Sonntag startet mein Mann mit Bruno durch. Ehrlich gesagt, habe ich noch niemals während unserer Ehe mitbekommen, dass er ohne Schwierigkeiten aus dem Bett kommt. Die Sonntage sind irgendwie anders – 07:00h aufstehen? Kein Thema! Seinem Arbeitgeber hat er Bestätigung abgefordert, dass er im Falle eines Einsatzes (ist ja noch lange hin) den Arbeitsplatz fluchtartig verlassen darf. Das war übrigens gar nicht so unmöglich wie es ihm zunächst erschien. Die Geschäftsleitung zeigte sich eher interessiert. Vor allen Dingen, als er bestätigen konnte, dass er dafür kein Geld bekommt (im Gegenteil). Da ließen sie sich doch gerne vom Hund und der RHS erzählen. Auch mittwochs eher zu gehen (bei normalem Feierabend wäre es unmöglich den Hund zu holen und rechtzeitig bei der Theorie zu sein) war nun keim Problem mehr.Natürlich wissen die Rettungshundler was der Hund alles können muss und was sich der RHF aneignen muss, für uns war das alles Neuland. Wir standen zunächst staunend vor den ganzen Anforderungen. Nun – nicht vorgreifen – für den Hund ging es dann schon etwas ernster weiter: Bellen! Oh was ein Problem!!!Was seine Schwester mit Bravour machte, das haben wir Monate mit ihm geübt! Man stelle sich mit einem Stückchen Fleischwurst vor den Hund: Gib Laut. Raus kommt: Krühöhuuwogrüwu – wuhuhujuhuwö – (tief Luft holen) wiff!!Na machen wir es kurz – es klappt jetzt. Nun kann er bellen, dass der Wald zittert! Bruno hat nach den ersten Kennenlernspielen Kurzanzeigen gemacht – bis zum abwinken, oder besser bis es sitzt.Haha – da erinnere ich mich gerade daran, wie es ist wenn man sich als Opfer suchen lässt. So mancher Hund spuckt beim bellen. Andere bellen so laut, dass einem das Trommelfell gleich platzt. Dem nächsten gibt man das Spielzeug besser mit Handschuh. Und bei einem weiteren Hund sollte man die Leckerli gleich im Magen ablegen! Wieder ein anderer hat sich auf Leibesvisitation (streng verboten) spezialisiert. Da machst was mit!Herrlich ist es für die Hunde auch, wenn sie den Waldweg bis zum Übungsplatz miteinander toben und sich vielleicht auch ein kleines bisschen raufen können. Da fällt es dann etwas leichter, wenn man im Lager angeleint zu liegen hat.Die Staffelmitglieder werden in Gruppen zu ca. 5 aufgeteilt und es arbeitet pro Gruppe nur 1 Hund. Das wird sicher in den anderen Staffeln genauso gemacht. Ich schreib das nur Mal für die Nicht-Rettungshundler. Im Lager hält umschichtig jeweils ein Staffelmitglied Wache und sorgt dafür, dass die Schnauzis sich nicht vertüddeln, oder sonst irgendeinen Unsinn machen. Zumeist betrifft das sowieso nur die Neueren (und Bruno), die alten Hundehasen machen das natürlich nicht.Fazit: Was gehört dazu ein Rettungshund zu werden? Eigentlich nur der geeignete RHF, der sich die Zeit nimmt seinen Hund auszubilden. Ein aufmerksamer, arbeitsfreudiger Hund, der nicht zu groß und nicht zu klein ist – das sollte es dann schon fast sein.